Eigentlich habe ich nach etlichen qualitativ fragwürdigen Astronomy Pictures of the Day (APOD) schon lange nichts mehr eingereicht und irgendwie ist es bezeichnend, dass ausgerechnet der Ausschuss einer Aufnahmesession ausgewählt wurde:
Was wir sehen, ist menschengemachtes Chaos am frühen Morgenhimmel über Goldkronach, einer kleinen Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Bayreuth. Bis ins 20. Jahrhundert vor allem bekannt für ihre Goldvorkommen, nun ein beschauliches Fleckchen Erde am Fuße des Fichtelgebirges. Aus astronomischer Sicht weit genug weg von der Universitäts- und Wagnerstadt Bayreuth, um mit Bortle 4 einen ordentlichen Nachthimmel zu bieten.
Eigentlich
Denn „einfach“ an einen dunklen Ort gehen, reicht nicht mehr, um den natürlichen Nachthimmel beobachten zu können. Wir haben es als Menschheit innerhalb weniger Jahre geschafft, die Himmelsverschmutzung von den hell beleuchteten Städten direkt an den Himmel zu bringen, so dass er von keinem Fleck der Erde mehr ungetrübt beobachtet werden kann. Naja, eigentlich hat das ein Mann fast im Alleingang geschafft: Elon Musk mit inzwischen (März 2026) über 10.000 Starlink-Satelliten im Orbit – das Fünffache, das die gesamte Menschheit von Sputnik bis 2019 insgesamt ins All geschossen hat (Quelle)!
Das Ziel: C/2025 R3
Aber erstmal zurück zum Bild und der „Geschichte“, die eigentlich gar nichts mit Satelliten zu tun hat, sondern mit einem Besucher aus den Tiefen des Alls – dem Komet C/2025 R3 (PANSTARRS). Wobei wirklich aus den „Tiefen des Alls“ kommt er gar nicht, sondern aus der Oortschen Wolke. Das ist eine Ansammlung von Milliarden bis Billionen astronomischer Objekte im äußersten Bereich des Sonnensystems. Die Ausdehnung soll bis zu rund 1,6 Lichtjahren Entfernung von der Sonne reichen – der äußerste Planet Neptun ist gerade mal 4,2 Lichtminuten entfernt.
So ein bisschen die Resterampe unseres Sonnensystems – was an umherschwirrendem Eis, Staub und Gestein bei der Entstehung nicht von den Planeten eingefangen wurde, landete gravitationsbedingt in der Oortschen Wolke. Da es dort gravitationstechnisch alles andere als konstant zugeht, werden einige Objekte aus ihrer Umlaufbahn um die Sonne abgelenkt. So können sie ins innere Sonnensystem kommen und bei uns als Kometen sichtbar werden. In Sonnennähe wird der Kern von einer Koma umgeben – einer durch den Sonnenwind entstehenden diffusen, nebligen Hülle. Die geladenen Teilchen von der Sonne sind dann auch für den Kometenschweif verantwortlich der daher auch immer von der Sonne weg zeigt – also bei Bewegung weg von der Sonne auch vor dem Kometenkern.
Bilddaten
Neben einer nachgeführten Aufnahme mit 400 mm lief auch eine Zeitraffer mit 35 mm und eine mit 85 mm im Hochformat. Das manuelle Samyang 85/1,2 hatte ich ein wenig auf f 1,8 abgeblendet und bei ISO 3200 mit der A7rIII rund 500 Aufnahmen mit 4 Sekunden Belichtungsdauer geknipst. Getriggert natürlich mit dem LRTimelapse Pro-Timer (Affiliate-Link).
Der Komet ging erst in der beginnenden Dämmerung auf und stand noch tief über dem Horizont – also alles andere als ideale Bedingungen. Dennoch war er gut im Display wie hier in Einzelaufnahmen mit 35 mm (links – anklicken!) und 85 mm mit Crop zu erkennen:


Was auffällt sind allerdings auch etliche kurze Striche – Satelliten. Die werden in der Dämmerung bereits von der Sonne angestrahlt und sind somit besonders auffällig. In der dunklen Nacht (die Sonne steht mehr als 18° unter dem Horizont) sind sie nicht so auffällig, aber dennoch sichtbar. Wie viel da am Himmel los ist, zeigen auch die mit LRTimelapse schnell erstellte Zeitrafferaufnahme:
Die Bearbeitung auf den Kometen war dann auf Anhieb eher ein Reinfall und nein, die vielen Satelliten waren gar nicht mal Schuld daran. Bei den 400 mm hab ich die Flats versaut oder irgendwas anderes seltsames angestellt – jedenfalls eher nicht zu gebrauchen und bei den anderen beiden hat mir eher die Geduld gefehlt, das ordentlich zu machen. Jedenfalls habe ich ein Versuch mit der Software Nebulb (Review) gemacht, die wie „richtige“ Astroprogramme beim Stacking mehrerer Bilder Satellitenspuren u.ä. recht zuverlässig entfernen kann. Der Blick auf diese Rejectionmap mit allem, was eigentlich nicht an den Himmel gehört, hat mich dann doch erstaunt bis entsetzt. Also genau das Bild zur Verdeutlichung der Problematik über eine Aufnahme mit Himmel und Vordergrund gelegt und eingereicht. Zu meiner Überraschung wurde das Bild tatsächlich angenommen, der etwas kritische Text aber durch eine eher nichtssagende Beschreibung ersetzt …
Mein Originaltext
At the threshold of dawn, when night briefly resists the coming day, this composite with only 12 minutes reveals a sky in transition. Low above a quiet valley with dark forest edges, scattered village lights, and a radio tower a delicate visitor appears: Comet C/2025 R3 (PANSTARRS).
Yet the comet is overwhelmed by something more terrestrial: hundreds of satellite trails crisscross the sky. This fleeting geometry of light becomes especially apparent during twilight, when orbiting objects are already illuminated by the Sun while observers and the surrounding landscape remain in darkness.
What was once a pristine backdrop for human curiosity is becoming increasingly crowded. The rapid expansion of satellite megaconstellations is reshaping the visual character of the night sky, challenging its role as a shared cultural heritage. At the same time, the cumulative effects of mass satellite deployment and reentry on Earth’s atmosphere remain uncertain, while optical and radio observatories face mounting interference.
Admittedly, this image accentuates the effect by combining a rejection map generated with the Nebulb software with a conventional Picture of foreground and sky. Yet doesn’t this highlight an issue that humanity should address collectively – before a small number of nations, or even individuals, create irreversible facts?
153 exposures of 4 seconds each, captured with a Sony A7R III at ISO 3200 using a Samyang 85 mm lens at f/1.6; taken on April 11, 2026, in northern Bavaria, Germany, around 4:44 a.m.
Der Text auf der APOD-Seite
Explanation: Can you find the comet? Somewhere through this web of satellite trails is Comet C/2025 R3 (PanSTARRS), a bright visitor passing through the inner Solar System. Now, the orbiting satellites themselves only appear as streaks because of the long camera exposure, over 10 minutes in this case. On the contrary, to the eye, satellites appear as points that drift slowly across the night sky and shine by reflecting sunlight — primarily just after sunset and before sunrise. The featured image was taken just before sunrise two weeks ago from Bavaria, Germany. Presently, Comet R3 PanSTARRS is hard to see for even another reason — because it is so (angularly) close to the Sun. As the comet rounds the Sun, it will be best seen in coming weeks from southern hemispheree skies, although then it will be heading out to interstellar space and fading. If you haven’t yet found the comet, don’t despair; please take a closer look just above the image center.
Reaktionen
Natürlich „kann nicht sein“, „KI-generiert“ blabla. Davon abgesehen eine Anfrage zur Verwendung als Titelbild eines Buchs über Brustkrebs. Hä? Überraschende Analogie – die zufälligen Röntgenstrahlen eines neuen CT-Verfahrens entsprechen den Satellitensporen und der Komet einem Tumor. Dann hatte die Niederländische Weltraumagentur Interesse für eine Publikation, ebenso die International Astronomical Union (IAU).
Satelliten als Störfaktor am Himmel

Der Weltraumvertrag
Nun kann dem zwar durchaus zweifelhaften Herrn Musk dennoch nicht verdenken, mit seinem Satellitennetzwerk Geld verdienen zu wollen, aber es ist sicher als Versagen der Staatengemeinschaft anzusehen, den Weltraum derart unreglementiert zu lassen, wie er aktuell eben ist.
Die erste völkerrechtliche Vereinbarung kam mit dem Weltraumvertrag (WRV) von 1967 einigermaßen schnell, nachdem die Nutzung der Erdumlaufbahn für Satelliten begann. Was heute los ist, hatte man allerdings nicht im Sinn – private Raumfahrt war undenkbar und die Angst galt eher einer (atomaren) Bewaffnung im All. Auch Besitznahmen im Weltraum inkl. Mond und sonstigen Himmelskörpern wurde ausgeschlossen – Fähnchen aufstellen bleibt ein symbolischer Akt. Immerhin sind Schäden durch Weltraumaktivitäten klar geregelt – der Staat, der sie durchführt, genehmigt hat oder von dessen Territorium sie ihren Ausgang haben, der haftet unbegrenzt für Körper- und Sachschäden.
Es gab etliche Ergänzungsverträge und man ist fleißig am Reden aber in der Zeit schickt SpaceX eine Rakete nach der anderen ins All – 2025 mehr als alle anderen Organisationen zusammen (Quelle), bald jeden zweiten Tag. Die Merlin-Triebwerke der Falcon 9 verbrennen übrigens Kerosin

Mega-Konstellationen
11.979 Starlink Satelliten listet Jonathan McDowell mit Stand Mai 2026 unter https://planet4589.org auf, die US-Behörde FCC hat erst im Januar weiter 7.500 Gen2 Satelliten genehmigt, im Endausbau wird von bis zu 34.400 Satelliten gesprochen (Quelle). Und das ist nur Starlink!
OneWeb hat schon gut 650 Satelliten im Orbit, geplant sind über 1.000 und das in recht hohem Orbit von rund 1.200 km. Im Gegensatz zu den niedrigfliegenden Starlinks sind sie somit über längere Zeit in der Nacht sichtbar – u.U. die ganze Nacht hindurch. Amazon Leo hinkt hinterher, plant aber mit 7.800. Das ist aber nichts geben die drei bekannten chinesischen Megakonstellationen mit insgesamt 33.000 Satelliten. OneWeb-Gründer Greg Wyler arbeitet jetzt an E-Space und da fällt die astronomische Zahl von 300.0000 (Quelle).
- Gemeinsame Koordinierung von Flugbahnen, Ausweichprozesse? Fehlanzeige.
- Design mit minimierten Einfluss für Beobachtung in verschiedenen Frequenzbereichen? Immerhin bei Starlink gibt es Bemühungen.
- Verantwortung über das Laufzeitende hinaus? Weitgehend Fehlanzeige. Bestenfalls in der Atmosphäre verglühen lassen
- Was mit der Atmosphäre so alles wechselwirkt durch die Elemente, die ja nicht weg sind? Weiß man nicht. Was wir durch FCKWs mit der Ozonschicht abgestellt haben? Verdrängt, ignoriert oder was auch immer …

Beeinträchtigung der Astronomie
Wenn man sich die ganzen Publikationen anschaut, werden auf alle Fälle Astronom:innen beeinträchtigt, die sich mit Satelliten beschäftigen müssen, statt echte Astronomie betreiben zu können.
Hainaut & Williams haben schon 2020 aufgrund der überwiegend nah am Horizont und in der Mitte der Nacht reduzierten Anzahl die Beeinträchtigung auf nur 1 % der Aufnahmen mit engem und standard Blickfeld in der ersten und letzten Nachtstunde beziffert, wenn im sichtbaren und IR-Licht beobachtet wird. Für Weitfeldaufnahmen sehen sie die Beeinträchtigung auf 3 % Niveau und für Ultraweitfeldaufnahmen wie mit dem damals in Planung befindlichen Vera C. Rubin Observatory dagegen auf 30-40 % der Belichtungen in den zwei „äußeren“ Nachtstunden. Weiter Studien aus der „Anfangszeit“: Walker et al., 2020, Ragazzoni, 2020 und McDowell, 2020.
Mroz et al. (2022) haben wenig überraschend einen deutlichen Anstieg der betroffenen Aufnahmen des Zwicky Transient Facility Survey zwischen November 2019 und September 2021 festgestellt: Von unter 0,5 % auf 18 %. Wenn man die Anzahl der Satelliten 2021 zu denen heute oder gar mit den Ausbauplänen in Relation setzt …
Zwar gibt es geschützte Frequenzbänder für die Radioastrometrie aber die umfassen nicht alle relevanten Frequenzbereiche und dann gibt es noch Interferenzen bis hin zum übersteuern Breitbandempfängern aufgrund der hohen Signalstärke der Satelliten im Vergleich zu den extrem schwachen Signalen aus der Anfangszeit unseres Universums. Waren benachbarte Frequenzen bisher kein Problem, da nur für terrestrische Richtfunkverbindungen genutzt, strahlen nun immer hunderte schnell wechselnde Satelliten direkt in die Richtung von Radioteleskopen – eine Kakophonie an Radiosignalen.

Frequenzen sind begrenzt und begehrt – je mehr Anbieter auf dem Markt sind, desto „enger“ wird es und desto größer der Druck auf die für die Radioastronomie wichtigen Frequenzbänder. Siehe die Problematik mit dem Satellitennavigationssystem GLONASS (das russische GPS) und dem Satellitentelefondienst Iridium.
Etliche Gebiete der Radioastronomie sind ebenfalls in Gefahr.

Wenn die Menschheit nicht so bescheuert wäre, man gemeinsam statt gegeneinander bis hin zu Kriegen arbeiten würde und sich einfach einig wäre, dass der Weltraum für Alle ist …
Dann könnte man doch EIN gemeinsames Satellitennavigationssystem bauen, eine ISS betreiben, ein Mondstation, einen Internetdienst, ein gemeinsames Erdbeobachtungsprogramm etc. pp.
Natürlich abgestimmt mit anderen Interessen und Daten frei für Alle.
Es könnte so einfach sein …
Zum Schluss noch ein paar eher gelungene Kometenaufnahmen:





